Steckbrief

Henry Salt (1780 - 1827)

Henry Salt  


Henry Salt ist auf dem Gebiet der Ägyptologie bekannt für seine Anstrengungen beim Sammeln von Antiquitäten. Er wurde 1780 in Lichfield, England geboren, war er der Sohn eines Gemeindearztes, ausgebildet als Portraitzeichner, studierte er an der Royal Academy unter Farington und Hoppner. Seine erste Begegnung mit Ägypten hatte er, als er von 1802 bis 1806 den Sammler George Annesley, Vicomte von Valencia, auf einer Orientreise begleitete. Nach einer Regierungsmission in Abessinien von 1809 bis 1811, wurde er zum britischen Generalkonsul in Ägypten ernannt. 1816 trat er sein Amt vor Ort an und behielt es, bis er 1827 an der Ruhr erkrankte und verstarb, drei Jahre nachdem seine Gattin der Cholera erlag. Salt wurde im Garten seines Anwesens in Alexandria bestattet, der später zu einem europäischen Friedhof wurde.

Während seiner Amtszeit als Generalkonsul unterstützte er zahlreiche Ausgrabungen in Ägypten und Nubien, organisierte viele, wertvolle Antiquitäten für das British Museum und stockte seine eigene Sammlung auf. Mit Hilfe von Giovanni d'Athanasi und Giovanni Belzoni beschaffte er einige wichtige Monumente aus Theben. Auf Drängen des schweizer Orientalisten Burckhardt heuerte Salt 1816 Belzoni an, eine kolossale Granitbüste von Ramses II - bekannt als der Junge Memnon - aus dem Ramesseum fortzuschaffen. Ein Jahr später schenkte Salt sie dem British Museum. In den folgenden zwei Jahrzehnten erwarb das British Museum viele Artefakte aus Salts Sammlungen, darunter einige der größeren Skulpturen, die heute in ihren Galerien stehen. Auch andere Museen profitierten von seinen Aktivitäten, unter anderem Sir John Soane, der den von Belzoni entdeckten Alabastersarkophag Sethos II erwarb, sowie der Louvre, welcher 1826 die zweite Sammlung von Salt kaufte, darunter die Sarkophagwanne Ramses III.

Salt wirkte zu einer Zeit, als in Europa das Interesse an Ägypten und seinen Antiquitäten eine Höhepunkt erreicht hatte, und der Wunsch Stücke sowohl für staatliche, als auch für private Sammlungen zu erwerben durch die laxe Haltung der Regierung unter Muhammad Ali in Bezug auf Altertümer Unterstützung fand. Rivalität unter den Repräsentanten der europäischen Kolonialmächte resultierte in der inoffiziellen Aufteilung des Landes in regelrechte Ausbeutungszonen, besonders im Konkurrenzkampf zwischen den Agenten Salts und denen des französischen Generalkonsuls Drovetti. Unmittelbar auf diesen Ausverkaufswahnsinns folgten die Anstrengungen von wissenschaftlichen Expeditionen, wie denen von Champollion, Lepsius, Wilkinson, Hay und anderen in den Jahren von 1820 bis 1840, bemüht darum die in Ägypten verbliebenen Monumente zu erfassen. Fairerweise sollte gesagt werden, daß auch Salt von seinen Zeichenkünste Gebrauch machte, um Monumente zu dokumentieren. Seine Versuche der wissenschaftlichen Arbeit wurden jedoch von seinen Zeitgenossen nicht ernst genommen. Nur wenige seiner Zeichnungen haben überlebt oder sind veröffentlicht worden.



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