Steckbrief

Gaston Maspero (1846 - 1916)

Gaston Maspero  

Zeichnung von Sir Gaston Maspero
© L. Pinch Brock, 1994


Wenige Figuren in der Geschichte der Ägyptologie sind so auffallend wie Sir Gaston Camille Charles Maspero, ein scharfsinniger, stattlicher Franzose, welcher den Service d'Antiquités Egyptiennes von 1881 bis 1914 leitete. Maspero zeigte von Anfang an wissenschaftliche Begabung und wurde am Lycée Louis-le-Grand und der École Normale ausgebildet, machte an der École des Hautes Études seinen Professor der Ägyptologie und erhielt 1874 eine Professur für ägyptische Philologie und Archäologie am Collège de France. Trotz seiner wissenschaftlichen Erfolge war sein persönliches Leben geprägt von Tragödien. Seine erste Ehefrau starb nach nur zwei Jahren Ehe. Dann verlor er im Ersten bzw. Zweiten Weltkrieg seine beiden Söhne aus zweiter Ehe, Jacques und Henri.

Auguste Mariette, Direktor und Gründer des Service hatte Interesse bei dem jugendlichen Maspero geweckt, indem er ihn in das Studium der Hieroglyphen einführte. Doch Maspero mußte seinen Lebensunterhalt als Lehrer für Geschichte und Sprachen verdienen, bis sich schließlich 1880 die Gelegenheit ergab Ägypten zu besuchen. Er gehörte einer französischen Mission an, die später unter dem Namen Institute Français d'Archaeologie Orientale bekannt wurde. Ein Jahr später, als Mariette starb, war Maspero der logische Nachfolger für das Direktorat des Service und des Bulaq Museums (heute das Ägyptische Museum). Es war eine aufregende (und sogar gefährliche) Zeit, um diesen Posten zu bekleiden. Er erwarb viele Objekte für das Museum und gab den 50-bändigen Kairoer Katalog der Antiqutäten und die Bände über die nubischen Tempel heraus, ließ den Schutt aus dem Tempel von Karnak räumen und organisierte den Service in Form von Inspektoraten in ganz Ägypten. Zwischen den Fahrten den Nil auf- und abwärts, um Stätten zu erforschen, fand er die Zeit seine eigenen archäologischen Arbeiten bei Gizeh durchzuführen und die Aufzeichnungen der Gräber im Tal der Könige zu veranlassen.

Er gab Theodore Davis, einem wohlhabenden amerikanischen Anwalt und archäologischen Laien, eine Konzession zum Arbeiten im Tal der Könige, als Gegenleistung sollte im dieser den Schutt von früheren Ausgrabungen wegräumen. Davis machte viele Entdeckungen und Maspero war vor Ort, als 1907 das geheimnisvolle "Amarna Versteck", Grab 55, im Tal der Könige geöffnet wurde. Aber Antiquitätendiebe plünderten die Monumente und überfielen archäologische Stätten. Eine der wichtigsten Entdeckungen ergab sich durch die Familie Abd el-Rassul, die auf dem Westufer Thebens klaute. 1881 machte das Auftauchen kleiner, königlicher Objekte auf dem Antiquitätenmarkt die Behörden auf einen großen Fund aufmerksam, und in wenigen Tagen wurde ein spektakuläres Versteck voller Königsmumien in Deir el-Bahari, Grab 320, eiligst ins Museum nach Kairo weggeschafft.

Maspero war diplomatisch und gesellig, aber auch gelehrt, alles nützliche Eigenschaften bei der Leitung des Service, da sich das Gesellschaftsleben häufig um die Archäologie drehte. Er korrespondierte mit Amelie Edwards , der Gründerin der Organisation, die später die Egypt Exploration Society wurde und er unterstützte Sir William Matthew Flinders Petrie. Einer seiner engeren Freunde war der Holländer Herman Insinger, ein Sammler, Bankier und Amateurphotograph, dem er gestattete das Auswickeln der königlichen Mumien zu photographieren.

1886 kehrte Maspero nach Frankreich zurück, nahm aber die Leitung des Service 1899 wieder auf und behielt sie bis 1914. Er starb zwei Jahre später im Alter von 70 Jahren, gerade als er bei einer Tagung der Academie des Inscriptions in Paris eine Rede halten wollte.



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