Bericht vom 8. internationalen Ägyptologenkongreß in Kairo
 
Mena House Oberoi Hotel
 
Mena House Oberoi Hotel- Der Tagungsort *

 
Der achte internationale Ägyptologenkongreßfand im luxuriösen Ambiente des Mena House Oberoi statt, mit Ausblick auf die Pyramiden von Gizeh. Vom 28. März bis zum 3. April trafen sich über 1500 Ägyptologen aus aller Welt, um ihre Ergebnisse jüngster Ausgrabungen und Forschungen auf den verschiedensten Gebieten der Ägyptologie zu präsentieren. Jede Tagessitzung war in sechs Blöcke mit gleichzeitig ablaufenden Vortragsreihen aufgeteilt, die sich mit Themen befaßten wie regionale Studien, Studien eines Zeitraums, Verwaltung der archäologischen Stätten, Konservierung, Religion, Sprache, Kunst, Architektur und Weiterentwicklungen in der Untersuchungstechnologie. Dies sind nur einige der Hauptpunkte, zusätzlich wurden jeden Morgen Diskussionsrunden zum aktuellen Stand und den zukünftigen Zielen angeboten - über Themen wie Archäologie, Verwaltung archäologischer Stätten, Religion, Sprache, Literatur, Museumskunde, Kunst und Geschichte. Dr. Weeks leitete die Diskussionsrunde, die sich mit der Verwaltung archäologischer Stätten auseinandersetzte und mußte sich hauptsächlich den Fragen von Dr. Zahi Hawass stellen.


Niederschriften von den bei diesem Kongreß gehaltenen Vorträgen werden vom Verlag der 'American University in Cairo Press' veröffentlicht. Die ersten beiden Bände der Veröffentlichungsreihe des Theban Mapping Project hatten ihren ersten Auftritt am Ausstellungsstand der AUC Press : The Atlas of the Valley of the Kings und KV 5: A Preliminary Report on the Tomb of the Sons of Rameses II in the Valley of the Kings, beide herausgegeben von Dr. Weeks und verlegt durch die 'American University in Cairo Press'.

Grabkammer von KV 42
 
Muhammed el-Bialy in der Grabkammer von KV 42

Bei so vielen, gleichzeitig angebotenen Darstellungen, war es manchmal schwer zu entscheiden, an welchem Vortrag man in einem bestimmten Block teilnehmen soll. Es wurden während des Kongresses eine Reihe von Vorträgen gehalten, die sich mit dem Gebiet von Theben Areal und seinen Monumenten befaßten und für das TMP und seine Arbeit von besonders wichtig waren. Während der Sitzung zu den Studien über die Könige des Neuen Reiches, prüfte Aidan Dodson die Beweise für die Existenz von Bestattungen von Mitgliedern der Königsfamilien des Neuen Reiches in Theben, insbesondere im Tal der Könige. May Trad vom Ägyptischen Museum berichtete, wie sie die goldene, mit Inschriften verzierte Innenausstattung des Sarges aus KV 55, dem Amarna-Versteck, wiedergefunden hat. Mohammed el-Bialy, Direktor der Altertümerverwaltung für das thebanische Westufer, sprach über die Untersuchungen in dem von ihm freigelegten KV 42, sowie über die Vermutungen bezüglich der ursprünglichen Besitzerin, Meritre-Hatschepsut, der Gemahlin Thutmosis III und seiner späteren Nutzung für die Wiederbestattung der königlichen Amme Senetnai. Elena Paulin-Grothe berichtete vom MISR Projekt der Universität Basel, das die Gräber von Siptah (KV 47) und Ramses X (KV 18) dokumentiert und sie beschrieb die Räumungsarbeiten in und um KV 18. Susan Allen von der Ägyptischen Abteilung des Metropolitan Museum of Art untersuchte erneut das Material aus dem sogenannten "Balsamierungsdepot Tutanchamuns", KV 54, das von Theodore Davis und Edward Ayrton nahe des Eingangs zu KV 18 entdeckt worden war. Otto Schaden berichtete von den jüngsten Bemühungen bei der Freilegung von KV 10, dem Grab von Amenmesse. Edwin Brock präsentierte eine Rekonstruktion des granitenen Sarkophagdeckels der Königin Tachat, der in KV 10 gefunden worden war. Galina Belova sprach zu den kürzlich durchgeführten Untersuchungen von DB 320, der Stätte des berühmten Königsmumienversteck von Deir el-Bahari. Steven Snape von der Universität Liverpool untersuchte Beweismaterial zu den im Grab von Ramses III (KV 11) gemalten Szenen, die auf eine ununterbrochene Fortdauer des Handels am Ende der Späten Bronzezeit hinweisen, ungeachtet der Wanddekoration im Totentempel des Königs in Medinet Habu, wo eher der Eindruck entsteht, daß Aufruhr herrschte. Magdi Mohammes Fekri bot eine Studie über die inschriftenlosen und nicht königlichen Gräber im Tal der Könige vor.

Sheikh Abd el-Qurna
 
Nordostseite von Sheikh Abd el-Qurna mit TT 72, TT 71, TT120 und TT121 sichtbar *

Verschiedene Redner behandelten das Thema der privaten Gräber in der thebanischen Nekropole. Dr. Peter Piccione beschrieb die Dokumentationstätigkeit des Gemeinschaftsprojekts der Universität von Charleston mit dem Serapis Research Institute in den Gräbern TT 72 und 121 von Sheikh Abd el-Qurna. Lyla Pinch Prock vom Royal Ontario Museum Qurna Tombs Project beschäftigte sich mit TT 120, dem Grab des Anen, Bruder der Königin Tii, der Gemahlin von Amenophis III. Zwei italienische Missionen, die im Assasif-Bezirk von Westtheben, östlich von Deir el-Bahari arbeiten, berichteten von den Dokumentations- und Restaurierungstätigkeiten in zwei großen Gräbern der 25. und 26. Dynastie.
Alessandro Rocatti von der Universität "La Sapienza" in Rom beschrieb den Fortschritt der laufenden Restauration von TT 27 von Sheshonq, während Francesco Tiradritti von den Aktivitäten des archäologischen Museums Mailand im Grab von Harwa, TT 37 berichtete. Der relativ vernachlässigten thebanische Nekropole bei Qurnat Murai wurde in zwei Vorträgen Aufmerksamkeit geschenkt, die von Francesca Berenguer und Maria Constanza de Simone präsentiert wurden. Dabei wurde aufgezeigt, daß dieser Friedhof besonders durch die fortschreitende Besiedlung gefährdet ist, die auch vor der Bewohnung von Gräbern keinen Halt macht. Dr. Roland Tefnin der Université Libre de Bruxelles berichtete von der ersten Saison, in der an der Konservierung der Grabkapellen des Sennefer (TT96) und seines Verwandten (Bruder oder Cousin) Amenmeopet, genannt Pa-iri (TT29) gearbeitet wurde. Julie Dawson erklärte die verschiedenen Konservierungs- und Restaurierungsmaßnahmen, die im Grab von Sennefer (TT99) durchgeführt wurden, das von Dr. Nigel Strudwick ausgegraben wird. Melina Hartwig vom Institute of Fine Art der Universität von New York analysierte die Dekorationen der Kapellen der thebanischen Privatgräber, in Bezug auf den Einfluß des Stils als ein rhetorisches Element in der Wahrnehmung des antiken Besuchers. Alix Wilkinson bot eine kurze Präsentation zum Thema möglicher, privater "Taltempel" oder Schreine am Rand des Kulturlandes, wie sie auf Malereien in thebanischen Gräbern abgebildet sind. Michèle Chermette untersuchte einige, wenig bekannte Gräber in Qurna, darunter TT 347 und 348, die in der Dritten Zwischenzeit wiederverwendet wurden.

Luftbild vom Totentempel des Merenptah
 
Luftbild vom Totentempel des Merenptah

Die Tempel am thebanischen Westufer und andere Bauwerke standen im Brennpunkt einiger Vorträge. Christian Leblanc, Guy Lecuyot und Mahmoud Maher Taha präsentierten einen Fortschrittsbericht ihrer Dokumentations- und Restaurierungsarbeiten am Ramesseum. Die mögliche, historische Bedeutung der astronomischen Decke im Ramesseum war Gegenstand der Schilderung von Cynthia May Sheikholeslami der Amerikanischen Universität in Kairo. M. Kalos und Monique Nelson sprachen über eine Gruppe von Kapellen aus Lehmziegeln direkt nördlich des Ramesseums. Petrie hatte an diesem Ort den Torso der gut gearbeiteten Kalksteinstatue einer Königin gefunden, die heute Meritamun, Tochter von Ramses II zugeordnet wird, aber wie sich unlängst bei Nachforschungen herausgestellt hat, datieren die Kapellen sowohl vor, als auch nach dem Ramesseum. Horst Jaritz, Direktor des Schweizer Instituts, erörtete den Totentempel des Merenptah, indem er die unterschiedlichen Bauphasen und Änderungen des Grundrisses, denen der Bau unterlag ausführlich behandelte. Die Instandhaltungsarbeiten von Mitgliedern der polnischen Mission Mission in Deir el-Bahari waren das Thema von vier Vorträgen. Zbigniew Szafranski, der Direktor der polnischen Mission in Deir el-Bahari, zeichnete die neueste Arbeit zur Wiederherstellung der oberen Terrasse des Tempels der Hatschepsut nach. Der Konservator Rajmund Gazda erörterte die verschiedenen Bemühungen der Vergangenheit und der Gegenwart zur Erhaltung des Hatschepsuttempels, einschließlich der aufgetretenen technischen Probleme und der ästhetischer Wirkungen.
Monika Dolinska erklärte die Arbeit am Tempel von Thutmosis III in Deir el-Bahari, die sich auf die Wiederherstellung der Szenen aus Relieffragmenten konzentriert, während Joanna Aksamit einen Bericht über die Fortschritte lieferte, sowie eine Vorschau auf zukünftige Arbeiten am Tempel. Über die Frühphase der Dekoration des Palastes von Amenophis III in Malqata und mögliche ägaische Elemente in der Dekoration wurde von Margarita Nikolakai-Kentrou berichtet. Gyòsò Vörös, der Direktor der ungarischen archäologischen Mission am Berg Thoth, beschrieb die Forschungen am Tempel des Mittleren Reiches und einer früheren Bauphase, die auf dem Gipfel nördlich der Straße, die zum Tal der Könige führt, lokalisiert wurde.

Die Rote Kapelle der  Hatschepsut
 
Fassade der rekonstruierten Roten Kapelle der Hatschepsut *

Eine Reihe von Vorträgen wurden über die Tempel am Ostufer von Theben gehalten. Dr. Muhammed Sughayer, Generaldirektor der pharaonischen Altertümer des SCA, berichtete von kürzlich gemachten Entdeckungen entlang der Straße der Sphingen zwischen Karnak und Luxor. Dr. Muhammes Nasr sprach über die vor kurzem rekonstruierte Barkenkapelle der Hatschepsut aus rotem Quarzit im Freilichtmuseum des Karnaktempels. Dr. Mahmud Abd el-Razk von der Suez Canal Universität befaßte sich mit vier Stelen aus dem Mittleren und Neuen Reich, die im Tempel des Ptah in Karnak gefunden worden sind. Susanne Bickel präsentierte Beweisstücke aus dem Karnaktempel für ein "verlorenes" Lager und eine Tempelwerkstatt, die von Amenophis III erbaut wurden. Hosam Refai prüfte den Symbolismus und den zeremoniellen Gebrauch großer Säulenhallen oder Hypostylen in den thebanischen Tempeln des Neuen Reiches, mit Schwerpunkt auf den Tempeln von Karnak und Luxor. William Murnane von der Universität in Memphis sprach über die Neudekoration am Durchgang des zweiten Pylons in Karnak in ptolemäischer Zeit. Es wurde nicht nur die Originaldekoration der 19. Dynastie kopiert, es wurde auch Material hinzugefügt, um zwei nachfolgende Könige, Ramses III und Taharka zu ehren, welche die bedeutsamen Bauten im nahen ersten Hof errichtet hatten. Francois Leclere und Laurent Coulon fuhren mit ihrer beim 7. ICE begonnenen Präsentation fort mit den aktuellen Funden aus dem Osirisgrab-Komplex, der sich im Nordosten des Amuntempel in Karnak befindet, und in Zusammenhang mit den Riten zum Fest von Khoiak steht. Am zehnten Pylon von Karnak wurden zwei Statuen des Amenhetep, Sohn des Hapu gefunden, einem Beamten der 18. Dynastie und später populärer "Heiliger", welche Gegenstand der Studie von José M. Galan sind, die sich mit Statuen an Tempeleingängen als Vermittler volksnaher Kulte auseinandersetzt.

Luftbild von el-Qurna
 
Luftbild von el-Qurna, mit dem Hügel von Qurnet Murai im Vordergrund

Eine Kopie des Kongreßprogramms ist auf der Website des Egyptian Supreme Council of Antiquities zu erhalten, unter: http://guardians.net/hawass/congress2000/congress_programme.htm. Leider sind nicht alle in diesem Programm gelistete Vorträge präsentiert worden, da einige Mitglieder nicht an der Tagung teilnehmen konnten.
 
* Photos mit freundlicher Genehmigung von Edwin Brock